telc B1 Schreiben — eine Aufgabe, klare Kriterien
Zuletzt aktualisiert: 20. Juli 2026
Eine informelle oder halbformelle E-Mail, 30 Minuten Zeit, vorgegebene Leitpunkte. Der Teil, in dem geübte Muster Punkte bringen — aber Auswendiggelerntes selten die Höchstnote.
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- Dauer
- 30 Minuten für eine Aufgabe
- Textart
- Informelle oder halbformelle E-Mail mit vier Leitpunkten, meist Reaktion auf eine Nachricht
- Länge
- ca. 150 Wörter, alle vorgegebenen Leitpunkte müssen bearbeitet werden
- Bewertung
- Aufgabe (Inhalt & Leitpunkte), Kommunikative Gestaltung, Formale Richtigkeit
- Anrede & Schluss
- Gehören dazu und sollen zum Adressaten passen — nicht weglassen
Was die Aufgabe wirklich verlangt
Die Aufgabe stellt dir eine kurze Situation vor: du hast einen Brief, eine E-Mail oder eine Anzeige erhalten und sollst darauf reagieren. Die vorgegebenen Leitpunkte geben dir vor, was in deiner Antwort stehen muss — zum Beispiel: "Bedanke dich für die Einladung", "Sage, wann du Zeit hast", "Frage, ob du etwas mitbringen sollst", "Schlage einen Ausflug vor".
Deine Aufgabe ist nicht, kreativ zu sein. Deine Aufgabe ist, jeden vorgegebenen Leitpunkt zu bearbeiten — mit korrekter Grammatik, mit angemessener Höflichkeit, mit einer klaren Struktur. Eine E-Mail, die einen Leitpunkt auslässt, verliert Punkte im ersten Kriterium, auch wenn die Sprache perfekt ist.
Wo Prüflinge Punkte verlieren
Der häufigste Fehler ist, einen Leitpunkt zu übersehen. Wer die E-Mail in einem Zug schreibt, ohne die Leitpunkte am Rand abzuhaken, vergisst regelmäßig einen. Faustregel: bevor du schreibst, notiere die Leitpunkte kurz auf dem Konzeptblatt und streiche sie ab, sobald du sie im Text unterbringst.
Der zweite Fehler ist, in reine Auswendiglern-Phrasen zu verfallen. "Ich hoffe, ich habe Sie mit meiner Antwort zufriedenstellen können und verbleibe mit freundlichen Grüßen" ist kein B1-Deutsch — es ist auswendig gelernt. Die Bewertung honoriert flexibel eingesetzte Redemittel, nicht ganze Bausteine.
Der dritte Fehler ist, den Rahmen zu unterschätzen. Eine passende Anrede, ein kurzer Schluss und eine Grußformel mit deinem Namen gehören zu einer vollständigen E-Mail; ob du „Liebe/r …“ oder „Sehr geehrte/r …“ schreibst, hängt vom Adressaten ab. Wer die E-Mail mitten in einem Absatz beendet, verliert Punkte ohne Not.
Die drei Bewertungskriterien in Klartext
Aufgabe: Sind alle vorgegebenen Leitpunkte bearbeitet und angemessen ausgeführt? Fehlt ein Punkt oder ist ein Punkt nur mit einem Satz beantwortet, kostet das hier.
Kommunikative Gestaltung: Klingt die E-Mail wie eine echte Nachricht an diesen Adressaten? Passen Anrede, Ton und Schluss zur Situation? Ist der Text gegliedert und flüssig lesbar? Redemittel, die nicht zur Situation passen (zu formell an eine Freundin, zu locker an einen Vermieter), werden hier abgezogen.
Formale Richtigkeit: Wie viele Fehler in Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung, in welcher Dichte? B1 verlangt keine Fehlerfreiheit — sondern kontrollierten Umgang mit vertrauten Strukturen. Wenige einfache Fehler in komplexeren Sätzen schneiden besser ab als fehlerfreie Aneinanderreihung von Hauptsätzen.
- Anrede: "Sehr geehrte Frau …" oder "Liebe/r …" — Register muss zur Situation passen.
- Einleitung: kurzer Bezug auf den Anlass (Danke für Ihren Brief / deine Nachricht).
- Hauptteil: alle Leitpunkte, gegliedert, in eigenen Sätzen.
- Schluss: freundlicher Ausklang plus passende Grußformel ("Mit freundlichen Grüßen" oder "Viele Grüße").
- Name am Ende — bei informellen E-Mails reicht meist der Vorname.
Wie man Schreiben realistisch trainiert
Der produktivste Trainingstyp ist eine echte 30-Minuten-Aufgabe mit Stoppuhr, auf Papier oder in einem Textfeld ohne Autokorrektur, gefolgt von ehrlicher Nachschau — nicht von einem Blick auf einen Musterbrief. Wer nur Musterbriefe liest, schreibt Musterbriefe; wer selbst schreibt und dann vergleicht, lernt seine eigenen Fehler.
Baue dir einen kleinen Vorrat an Redemitteln, die du wirklich benutzt: einen Weg, sich zu bedanken; einen, um einen Termin vorzuschlagen; einen, um höflich abzusagen. Fünf oder sechs Bausteine, die du sicher variieren kannst, sind besser als zwanzig Bausteine, die du nur halb kennst.